Mama Kolumne - Urlaub mit Kindern in Italien
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Mamatalk - Rückt doch mal ein bisschen näher zusammen!

15/12/2015

Warum Urlaub mit Kindern so viel spannender ist und was man so alles dabei lernen kann...

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Mein Baby ist wirklich ausgeglichen. Das heißt in unserem Fall genauer gesagt, die Phasen von wildem Krabbeln und Geschrei halten sich die Waage mit Zeiten der lethargischen Entspanntheit. Dieses aufmerksame kleine Etwas muss ständig mit seinen großen Augen die Welt erkunden und hat anscheinend immer Angst, es würde irgendetwas verpassen. Deshalb lässt Mads sich auch liebend gerne seelenruhig durch die Gegend tragen, um aus exponierter Position alles genauestens im Blick zu halten und Menschen freundlich anzulachen. Ist also das Toben vorbei, darf Mama ihre Kreise ziehen - ob im Restaurant, Park, Supermarkt oder Hotel.

Dabei habe ich vor allem im letzten Sommerurlaub in Italien eine interessante Entdeckung gemacht: Ich habe noch nie so viele neue Menschen kennengelernt wie dort. Ein Baby ist ein regelrechter Eisbrecher. Wie mit einem Hund an der Leine, kommt man durch Zauberhand schneller ins Gespräch als einem lieb ist. Plötzlich kennt man die Lebensgeschichte der Frau hinter der Wursttheke, die Urlaubspläne der Damen am Nachbartisch, die politische Gesinnung des Vermieters der Ferienwohnung oder die Eheprobleme des Restaurantbesitzers. Italiener lieben einfach Kinder. Sie steuern zielstrebig auf den Kinderwagen zu, kneifen unaufgefordert in die Wange, überschlagen sich mit bello bambino Bekundungen und freuen sich einfach mit jedem, der das Glück hat, ein Kind vor sich herzuschieben.

Ich muss zugeben, dass ich schnell Spaß daran gefunden habe. Jeden Tag konnten wir ein paar neue Begegnungen und kuriose Geschichten in unser imaginäres Reisetagebuch schreiben und ich war fast enttäuscht, wenn man mal ein paar Stunden nicht mit neuen Menschen in Kontakt kam. Eine Atmosphäre, die einfach ansteckt. Offene, fröhliche und kinderliebe Italiener, die einen am liebsten direkt zu sich nach Hause einladen, um die komplette Familie vorzustellen. Irgendwie völlig anders, als wir es von Deutschland oder der Großstadt gewöhnt sind. Hier muss man sich im Restaurant bei jedem Baby-Quitscher gleich hinter der Serviette verkriechen, hat Angst, dass man im Supermarkt die Gänge mit dem Kinderwagen blockiert und versucht krampfhaft sein Kind davon abzuhalten, einen Fremden in der Bahn anzugrinsen. Er könnte sich schließlich belästigt fühlen.

Auf unserem Rückweg mit Stopp im Allgäu landeten wir am letzten Abend in einem bayrischen Brauhaus. Konnte man sich noch ein paar Tage vorher das Warten aufs Essen mit einer obligatorischen Runde durchs Restaurant vertreiben, hatte man hier den Eindruck, dass sich nach 19Uhr alle Gäste pikiert wegdrehen, wenn ein Kind im Anmarsch ist, geschweige denn, ein fröhliches Babygrinsen entgegnen.

Am plakativsten wurde mir jedoch das ganze Elend von zwei älteren Herren vor Augen geführt, die aus Platzmangel unbekannter Weise zusammen an einen Tisch gesetzt wurden. Kein Gedanke daran, sich miteinander bekannt zu machen, sondern lieber den Abend stoisch vor sich hinstarrend in eiserner gegenseitigen Ignoranz verbringen. Aus der Zauber des herzlichen aufeinander Zugehens und des Zulassens unvorhergesehener Begegnungen.

Eines bleibt mir also für immer von Italien im Kopf – zusammen ist man weniger allein und Kinder sind dabei das beste Bindeglied.  

 

Erschienen im Wortex, Beilage des Luxemburger Wort

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