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Wohnen mit Designklassikern - Was macht die Faszination und den Hype aus?

15/12/2016 von Berit

Wie wird also ein Möbelstück zum Klassiker? Wer löst den Eames Chair ab und wohin geht der Trend? Dieser Experte ist ein wahres Lexikon, denn er kennt sich in der Welt der Designklassiker aus wie kein anderer.

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Was den aktuellen Einrichtungsstil ausmacht? Was man gerade fast ausschließlich in den Wohnmagazinen und auf Pinterest sieht? Eine skandinavisch angehauchte Note mit einer gekonnten Platzierung von ein paar selektierten Designklassikern der 50er und 60er Jahre. So wollen wir anscheinend momentan wohnen. Der Eames Chair hat mittlerweile Einzug in jeden zweiten Haushalt gehalten und ob Fake oder Original, man muss ihn einfach besitzen. Aber da ist noch so viel mehr.

Sven Vorderstrase betreibt den Onlineshop www.markanto.de und das Markanto Depot in Köln, die beide regelmäßig von Einrichtungsmagazinen zu den besten Interior-Shops weltweit gewählt werden. Seit 1999 sammelt, kuratiert und verkauft er Designklassiker in einer Vollständigkeit, die einem ausführlichen Nachschalgewerk gleich kommt. Geordnet nach Entwurfsjahr, Hersteller, Designer, Land und Stilrichtung findet man alle wichtigen Möbel und Wohnaccessoires der letzten Dekaden auf einen Blick. Entstanden ist aber auch eine Art Kommunikationsplattform, die regelmäßig Ausstellungen organisiert, mit Expertentipps zur Verfügung steht und auch Klassiker wiederentdeckt, wie die Möbelentwürfe des französischen Kunsttischlers Pierre Chapo oder die blauen Rimini Blu Keramiken von Aldo Londi aus Italien.

Ich könnte mir niemand besseren vorstellen, um mir für #newlifeinprogress als Experte zum Thema Designklassiker zur Seite zu stehen.


Ich habe noch keinen Onlineshop oder Laden entdeckt, der in einer derartigen Vollständigkeit die Möbelklassiker der letzten Dekaden vereint. War genau das damals die Idee hinter Markanto?

Markanto wurde 1999 gegründet - ursprünglich als Plattform für die Vermittlung von hochwertigen Vintage-Designklassikern, wie es exemplarisch heute 1StDibs oder Pamono anbieten. Damals funktionierte dieses Konzept jedoch noch nicht, der Designhandel hatte zu viele Vorurteile gegenüber dem neuen Medium Internet. Wir waren einfach der Zeit voraus.

Parallel entwickelten wir einen Shop für Designobjekte aus aktuellen lizensierten Produktionen von Marken-Herstellern wie Artek, Artifort, ClassiCon, Knoll International oder Vitra. Dabei waren viel Überzeugungsarbeit notwendig - auch für viele Hersteller war das Medium Neuland und entsprechend hoch die Vorbehalte. Aber wir konnten alle Hersteller von unserem Konzept überzeugen, denn Markanto bietet ausführliche, kuratierte Informationen zu dem Entwerfer oder zu der designhistorischen Bedeutung eines Objektes an, wie es beispielsweise. im klassischen Einzelhandel nicht möglich wäre. Dies ist natürlich der große Vorteil des Internets. Zusätzlich können wir auch weniger kommerzielle Objekte präsentieren, die ein Einzelhändler in seiner Ausstellung kaum zeigen würde. Wir verstanden uns nie als reiner Internetshop - sondern als Plattform für Designklassiker. Daher bieten wir neben Neuwaren auch weiterhin eine Auswahl an ungewöhnlichen und seltenen Objekten an - hier sind unsere Zielgruppen Sammler oder Museen.

Ich habe immer wieder Phasen, in denen ich auf eBay nach versteckten Schätzen und Schnäppchen suche. Natürlich erfolglos, denn so läuft das Ganze mittlerweile ja nicht mehr. Wo finden sie ihre Vintage-Möbel und was raten sie beim Kauf, wenn man sicher sein will, dass man ein Original zu einem fairen Preis erwischt?

Bei eBay muss man leider recht vorsichtig sein. Die Vintage-Objekte sind zwar überwiegend echt, aber häufig sind wichtige Details oder Beschreibungen nicht zutreffend. Erst neulich haben wir zum Beispiel einen alten Freischwinger von Marcel Breuer aus den 30er Jahren erworben, der Thonet zugeschrieben wurde. Anschließend stellte sich heraus, dass der Sessel aus einer anderen Vorkriegsproduktion stammte. Wir beziehen daher unsere Objekte meist über Sammler oder über den Designhandel. Teilweise erwerben wir Objekte auch aus Privatbesitz - hier erleben wir immer wieder spannende Geschichten bezüglich der Provenienz.

Was ist nur mit dem Eames Chair passiert? Natürlich gehört er zu den wichtigsten Möbelklassikern unserer Zeit. Aber in den letzten Jahren ist ein unglaublicher Hype um ihn entstanden, so dass mittlerweile Reeditionen und Kopien fast in jedem Haushalt, bis an Lieschen Müllers Esstisch, gelandet sind. Wie erklären sie sich solch eine Entwicklung und wer wird vielleicht der nächste sein, der zu solch einem Massen- und Konsumphänomen wird?


Vor ca. 15 Jahren wurde der Eames Plastic Chair von Vitra wieder aufgelegt. Diese neue Version wurde mit einer Polyproylen-Schale gefertigt, die im Gegensatz zu dem ursprünglichen Material Fiberglas recylingfähig ist. Der große Erfolg hat alle überrascht und der Trend ist ungebrochen. Nach meiner Meinung liegt dies an der Retro-Welle, die sich auf das Mid Century Modern Design der 40er und 50er Jahre konzentriert. Hierzu kommt noch ein kleiner Generationskonflikt - wenn meine Eltern beispielsweise bereits den Marcel Breuer Freischwinger zu Hause haben, möchte ich nicht unbedingt den gleichen Stuhl besitzen. Da ist dann der Eames Plastic Chair die Alternative!

Eames Plastic Chair in unterschiedlichen Farben und Stoffen , Designklassiker, original, markanto

Der Zeitgeist spielt dabei eine sehr wichtige Rolle. Zur Jahrtausendwende standen noch die ganzen Kunststoffmöbel der 60er und 70er Jahre von Entwerfern wie Eero Aarnio oder Verner Panton im Fokus der Öffentlichkeit und Presse. Heute dagegen sind diese wirklich fantastischen Entwürfe in ihrer Formensprache leider nicht so on Vogue, was sich aber sicherlich wieder ändern wird. Designklassiker sind zwar zeitlos, aber dem Zeitgeist und dem Einrichtungsstil unterworfen. Und die nächsten Trends sind absehbar: 2019 findet das 100jährige Bauhaus-Jubiläum mit zahlreichen Ausstellungen statt. Dann werden sicherlich die Stahlrohrklassiker der 20er und 30er Jahre wieder entdeckt werden. Persönlich glaube ich aber, dass der Brutalism Chic der 70er Jahre als Nächstes wiederkommt - wie die Möbelentwürfe von Paul Evans oder die Leuchten von Florian Schulz. Es werden weiterhin warme Metallen wie Messing und Kupfer die Inneneinrichtung bestimmen.

Sie haben es sich ja auch zur Aufgabe gemacht, längst vergessene Möbelstücke und Designer wiederzuentdecken und neu auflegen zu lassen. Haben sie ein Beispiel, wen sie den Designwelt wieder in Erinnerung gerufen haben?


Als Erstes sind da die Keramiken von Aldo Londi zu nennen, die ich 2004 während eines Urlaubs auf Mallorca wiederentdeckte. Direkt nach dem Urlaub nahm ich Kontakt mit der Manufaktur Bitossi in Italien auf, seitdem verkaufen wir diese blauen Rimini Blu Keramiken mit großem Erfolg. Früher fand man sie häufig auf Trödelmärkten als unbekannte italienische Keramik. Wir haben mit Hilfe von Bitossi die Historie dazu rekonstruiert, heute werden die Keramiken überall als Londi Entwürfe angeboten. Dadurch sind auch die Preise für die alten Objekte z. B. in Auktionshäusern gestiegen. Über Bitossi entstand später dann der Kontakt zu Fornasetti, den wir für den deutschen Markt wieder entdeckten. Mittlerweile hat ja selbst schon der Spiegel über die Renaissance seiner Wandteller berichtet!

Rimini Blue Keramik von Bitossi

Unsere aktuelle Entdeckung sind die Leuchtenentwürfe des niederländischen Lichtkünstlers J.J.M. Hoogervorst aus den 50er Jahren, die seit diesem Jahr wieder von Anvia produziert werden. Während eines Aufenthalts in Den Haag wurden wir auf diese tolle Kollektion aufmerksam und bieten sie nun exklusiv in Deutschland an. Zusätzlich haben wir zurzeit noch zwei spannende Projekte mit aktuellen Designern wie eine limitierte Vasenserie von Caterina Licitia Ponti, der Urenkelin von Gio Ponti. Und mit den reduzierten Keramiken von Lutz Könecke werden wir demnächst eine tolle zeitgenössische Kollektion offerieren.

Tafel Lamp von ANVIA, Designklassiker

Was genau macht einen Klassiker aus? Steckt da auch Zufall dahinter und können sie auch bei neuen Designs einschätzen, wer das Zeug zu einem Klassiker hat und warum?

Der Zufall spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Unter einem Designklassiker verstehen wir Objekte, welche Pioniere ihrer Zeit waren. Sei es in der Formgebung, in der Verarbeitung, im Material oder im Herstellungsprozess. Viele Designklassiker waren dabei anfangs wirtschaftlich weniger erfolgreich, sie fanden zuerst nur bei einer intellektuellen Minderheit Zuspruch. So wurden die Stahlrohrklassiker des Bauhaus anfangs als „Haut- und Knochenstühle” bezeichnet und verkauften sich wenig. Erst Jahrzehnte später fanden diese Möbel ihren verdienten Zuspruch. Man kann aber erst nach einiger Zeit wirklich sagen, was ein Klassiker ist und was nicht. Nach unserer Erfahrung sollte eine Dekade vergangen sein, um ein Objekt als Designklassiker bezeichnen zu können.

Aktuell finden wir die spannendsten Entwürfe im Lichtbereich, wo es durch die neue LED-Technologie zu ganz neuen Formen und Lichtlösungen kommt. Dabei werden sicherlich einige neue Klassiker entstehen, die ein großes Potential haben.

Das 100-jährige Bauhaus-Jubiläum wird 2019 einen Boom der Designklassiker der 20er und 30er Jahre einläuten.“

Sven Vorderstrase - Inhaber Markanto

Möbel von Pierre Chapo, Sammelteller von Fornasetti, Globo Dosen von Jonathan Adler und die Raw Office Kollektion von Jean Prouvé
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Für Originale und Reeditionen kann man als Sammler eine ganze Stange Geld ausgeben. Aber nicht jeder von uns, kann es sich leisten, seine Wohnung mit Designklassikern auszustatten. Wenn sie im Markanto Depot für einen Kunden ein Stück unter 500,- Euro heraussuchen müssten, das in einer Wohnung zu einem Eyecatcher wird, welches wäre es und warum?

Das kann ich so nicht beantworten! Dazu muss ich erst den Kunden kennen und seinen Geschmack wissen. Zurzeit sind meine Lieblings-Eyecatcher die Globo Dosen von Jonathan Adler wegen ihrer faszinierenden Materialkombination. Wer mixt schon Kunststoff und Messing miteinander?
Fast jeder Besucher des Markanto Depot ist von diesen Schmuckdosen und der Lichtwirkung begeistert. Ein anderer Eyecatcher, der immer funktioniert, sind natürlich die Fornasetti Wandteller für je 135,- Euro - mit fast 200 Motiven ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Panton Chair in Grün im MARKANTO Depot, designklassiker

Kann man es bei Designklassikern wie mit der Kunst halten? Die Nachfrage und das Interesse bilden den Preis? Kann ich das Ganze als Wertanlage sehen, ohne Preisverfall?

Bedingt durch die Entwicklung des Kunstmarktes hat sich auch der Designmarkt verändert. Seltene Stücke werden immer teurer - und ein Ende ist nicht absehbar. Heute wird Design auch als Wertanlage gekauft. Nicht umsonst ist das teuerste Möbelstück der Weltgeschichte ein Möbel des 20. Jahrhunderts. Der Sessel, ein Einzelstück von Eileen Gray, wurde im Auktionshaus Christies für über 20 Millionen Euro verkauft. Dabei war auch die Provenienz  mitentscheidend - der Sessel stammte aus dem Haushalt von Yves Saint Laurent.

Auf unserer Internetseite www.markanto.de finden sich auch viele Objekte oder Editionen, die guten Geschmack mit Nachhaltigkeit als Kapitalanlage kombinieren - wie exemplarisch die Jean Prouvé RAW Office Kollektion von Vitra. Diese Edition gibt es nur noch bis zum Jahresende und hat das Potential einer Wertanlage. Generell gilt aber das Gleiche wie im Kunstmarkt - man sollte die Objekte vor allem erwerben, weil sie einem gefallen und nicht als Kapitalanlage!

 

 

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