Kolumne Lifestyle

MAMATALK - Von der Geburt durchs Wochenbett gefegt

22/02/2017 von Berit

Glück, Zufall oder eine richtige Geburtsmaschine? Warum die Anstrengung erst nach dem Kreissaal begann und warum Wochenbett eigentlich Wochenbett heißt

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Mein Onkel behauptet, ich wäre wie gemacht fürs Kinderkriegen. Damit will er nicht etwa sagen, dass ich ein gebärfreudiges Becken habe oder ich mir nichts Schöneres auf der Welt vorstellen kann. Er unterstellt mir einfach einen starken Willen, dass alles was ich mir vornehme, auch so kommt wie ich es will.

Ich nenne es eher Glück oder Zufall, denn auch die Geburt meines zweiten Babys lief exakt nach meinen Vorstellungen, als hätte ich mein eigens Drehbuch dafür geschrieben. Ich hatte mir fest vorgenommen, dass mein Mädchen an einem schönen Datum auf die Welt kommt. Schön im Sinne von einem optisch ästhetischen Zahlenbild, das leicht zu merken ist. Wunsch: 17.01.17 – Done. Ich wollte mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus gefahren werden, damit ich nicht noch extra ein Car-Sharing Auto oder Taxi suchen muss. Aussage der Frauenärztin am Morgen: Wenn die Blase springt, unbedingt liegen bleiben, nicht gehen oder im Auto sitzen, weil der Kopf des Kindes noch nicht fest im Becken sitzt – Bingo. Mein geheim gehegter Wunsch, im Krankenhaus die gleiche tolle Hebamme zu erwischen, wie bei der ersten Geburt – Strike. Die liebe Ute hatte tatsächlich wieder Nachtschicht. Ich kam sogar in den gleichen Kreißsaal, also Heimspiel und die Sache war dieses Mal in der Hälfte der Zeit durchgestanden – Hurray!

Außerdem hatte ich mir von Anfang an so unbedingt ein Mädchen gewünscht, was bei einer Schwiegermutter mit fünf Söhnen genetisch ziemlich unwahrscheinlich war und wollte den Altersunterschied von zwei Jahren zwischen den Geschwistern nicht überschreiten – mit 15 Tagen Unterschied zwar knapp, aber geschafft.

Das Wunschkonzert wurde dann aber ziemlich schnell und jäh unterbrochen, schließlich ist das Leben nun doch kein Ponyhof. Mit dem ersten Tag wieder aus dem Krankenhaus zu Hause wurde das Familienidyll direkt von der Grippewelle überrollt. Wobei es zumindest nur die beiden Männer erwischte, die Frauen blieben dank Hormon- und Endorphinpower weitestgehend verschont. Doch noch ein bisschen Restglück gehabt.

Der Nachteil bestand nur leider darin, dass das eigentlich strikt einzuhaltende Wochenbett nach der Geburt plötzlich nicht mehr mir, also der frischgebackenen Mutter galt, sondern Vater und Sohn… und man weiß ja schließlich wie kranke Männer so sind. Immer wenn ich mich dann doch mal zumindest kurz ausruhen wollte, wurde ich im Fieberwahn darauf hingewiesen, dass Wochenbett doch bestimmt nur deshalb Wochenbett heißt, weil meine Schonfrist nach einer Woche vorbei sei. Wie bitte? Ganze 4 Wochen soll man eigentlich im Bett liegen bleiben, keinen Finger rühren und verwöhnt werden. In China wird die Zeit passender Weise Der Goldene Monat genannt. 40 Tage bleiben die Frauen strikt im Haus, vermeiden jegliche Anstrengung und werden vom Rest der Familie umsorgt.

Vielleicht ist es dann doch ein kleiner Nachteil, wenn die Geburt solch ein Spaziergang war, dass die Außenwelt einem das Ausmaß dieser trotzdem unglaublichen Kraftanstrengung nicht anmerkt. Niemand, der es nicht auch schon selbst einmal erlebt hat, wird einschätzen können, was eine Frau in diesem Moment vollbringt und dass sie dafür nicht lange genug auf Händen getragen werden kann.

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