Mama Kolumne zum Thema Kinder, Krabbeln und Mobilität, Tipps, Empfehlungen, Erziehungstipps
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MAMATALK - Das grosse Krabbeln

13/05/2016 von Berit

Wenn es erst mal los geht, dann aber richtig. Vor dem kleinen Vierfüssler ist nichts mehr sicher. Was nicht aus dem Weg geräumt ist, wird einfach platt gemacht

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Diesen Text für die Wochenendbeilage WORTEX vom Luxemburger Wort habe ich euch doch tatsächlich vorenthalten. Zum Glück ist er mir gerade wieder in die Finger geraten und wird hiermit nachgereicht. Auch wenn das ganze Chaos schon ein paar Monate zurück liegt...

 

Wie sagt man so lapidar: Kaum sind die Kinder auf der Welt, sind sie auch schon wieder aus dem Haus. Aber das Leben rast gerade wirklich nur so an mir vorbei. Babys wachsen einfach viel zu schnell und ich habe das Gefühl, als müsste ich mich jeden Tag von einem geliebten kleinen Wesen verabschieden, weil ich am nächsten Tag schon wieder ein völlig neues kennenlerne. Nie kann die nächste Entwicklungsphase schnell genug kommen, nie hat man lange genug Zeit sie ausgiebig zu verfluchen.

Am Anfang hat man das Gefühl, dass die Babys viel zu viel schlafen. Sind sie plötzlich länger wach, wünschte man, sie würden mal wieder zur Ruhe kommen. Man fiebert jeder neuen Bewegung entgegen und hofft, dass sie sich endlich fortbewegen. Krabbeln und laufen sie dann, wäre man froh, sie würden einfach wieder nur ruhig rumliegen. Genauso ist es mit den ersten Worten und den unausweichlichen Widerworten. Mit den pubertierenden Teenies, die man sich endlich erwachsen wünscht und dann schmerzlich vermisst, wenn sie schließlich wirklich als fertige Wesen in die Welt hinausgehen. Ein Hin und Her, ein Auf und Ab der Gefühle von Tag 1 bis zur Unendlichkeit.

Momentan stecke ich aber gerade noch mittendrin im Himmelhochjauchzen und zu Tode erschöpft sein der ersten Krabbelversuche. Als ständiger Schatten und lebender Airbag husche ich unaufhörlich hinter einem vermeintlichen Tausendfüßler her, der von Tag zu Tag schneller wird. Da man spätestens zu diesem Zeitpunkt merkt, dass eine kleine Großstadtwohnung alles andere als kindertauglich ist, muss irgendwann kräftig umgeräumt werden. Adieu ihr Möbelklassiker, bis bald geliebte Vintage-Vasen Sammlung, aber wir brauchen Platz. Zum Glück sind Leidensdruck und Keller groß genug, so dass nach kurzer Zeit im Wohnzimmer eine angenehme Leere herrscht. Ich putze noch schnell die dazugewonnenen Quadratmeter Dielenboden und mein Mann und ich klatschen uns ab, freuen uns darüber, dass mit so viel neugewonnenem Platz jetzt nichts mehr passieren kann.

Aber wir haben die Rechnung ohne das kleine Krabbelmonster gemacht. Ich überlege gerade laut, ob ich alles noch mal mit klarem Wasser nachwischen muss, als Mads zielgerichtet auf eine Ecke zusteuert. Das Problem ist nur, dass weder ich aus meiner Perspektive, noch mein Mann aus seiner sehen, dass der noch volle Putzeimer hinter dem Sideboard steht. Ich kann gar nicht so schnell springen, da ist das Händchen schon im Eimer und hat ihn zu sich auf den Boden gezogen. Ein bisschen verdutzt über das unerwartete Bad, gerät Mads zumindest nicht ganz so aus der Fassung wie seine zwei panischen Eltern. Für diese Überschwemmung stehen definitiv immer noch zu viele Möbel im Weg.

Mein Mann ist durch meine wüsten Beschimpfungen so paralysiert, dass er wie in Trance neben sich greift und meine neue Kaschmirwolldecke auf die Sauerei wirft. Die vermeintliche Schadensbegrenzung steigert sich also gleich zur nächsten Katastrophe. Mitten auf dem Höhepunkt unseres Ausrastens schauen wir uns plötzlich an und brechen in schallendes Gelächter aus.

Eigentlich ist die Situation viel zu witzig und an den völligen Kontrollverlust sollten wir uns mittlerweile ja schließlich schon gewöhnt haben.
Also fangen wir von vorne an und genießen die Katastrophen so lange sie noch klein und schnell zu beseitigen sind.

 

* erschienen im Wortex vom Luxemburger Wort

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